PASC: Nicht Selbstlosigkeit, sondern die Gesundheit des Gesundheitspersonals preisgeben

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saglik

Lettisches Denkmal für die Beschäftigten im Gesundheitswesen

(Türkisch, Englisch)

Einleitung

In der Pandemie verlangte die Gesellschaft nicht die Selbstlosigkeit der Gesundheitsarbeiter; sie verbrauchte ihre Gesundheit. Dieser Satz mag hart klingen, aber es gibt keinen weicheren Namen für das, was geschehen ist. Denn was hier geschah, war nicht bloß, dass eine Berufsgruppe unter schweren Bedingungen ihre Arbeit verrichtete. Es geschah etwas weit Schwerwiegenderes. Gesundheitsarbeiter wurden in den Bereichen mit der höchsten Infektionsdichte eingesetzt, oft mit unvollständiger Schutzausrüstung, mit unregelmäßigen und sich verlängernden Schichten, mitten in der ständigen Möglichkeit von Tod und Zusammenbruch. Danach wurde diese Form des Einsatzes mit Worten wie Hingabe, Heldentum, Pflichtgefühl, für die Menschheit kämpfen verherrlicht. Diese Worte sahen auf den ersten Blick wie Dankbarkeit aus. Tatsächlich erfüllten sie jedoch eine andere Funktion: Sie machten institutionelle Unzulänglichkeit, gesellschaftliche Gleichgültigkeit und die spätere gesundheitliche Zerstörung unsichtbar.

Die schwerste Folge dieser Unsichtbarmachung bestand darin, dass die Angelegenheit mit dem Ende der akuten Infektion eben nicht beendet war. Viele Gesundheitsarbeiter lebten auch nach überstandener COVID-19-Erkrankung noch wochen-, monate-, ja sogar jahrelang mit anhaltenden Symptomen weiter. Müdigkeit, Atemnot, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Schlafprobleme, Herzklopfen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisschwierigkeiten, Angstzustände, Depressionen, Belastungsintoleranz und der Verlust alltäglicher Funktionsfähigkeit waren kein Nachhalllärm, sondern setzten sich als neue Krankheitslast fest. PASC, also postakute Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion, oder unter seinem gebräuchlicheren Namen Long COVID, begann bei Gesundheitsarbeitern weniger wie ein Ausnahmebild zu erscheinen als vielmehr wie das verspätete körperliche Protokoll des pandemischen Arbeitsregimes. Daten aus NHS CHECK in England zeigten, dass 33,6 % von 5248 Gesundheitsarbeitern Symptome meldeten, die mit einem mindestens 12 Wochen andauernden Post-COVID-Syndrom vereinbar waren, aber nur 7,4 % eine offizielle Diagnose erhalten hatten. Die häufigsten Symptome waren Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Insomnie und Angst oder Depression (🔗, 🔗).

Deshalb sollte der Satz, dass keine gute Tat ungestraft bleibt, hier nicht wie eine moralistische Klage, sondern wie eine historische Zusammenfassung gelesen werden. Der todesmutige Einsatz, den Gesundheitsarbeiter in der Pandemie zeigten, kehrte später in Form hoher Raten anhaltender Symptome und gesunkener Funktionskapazität zurück. Das ist nicht die Summe individueller Unglücksfälle. Die Gesellschaft schloss die Lücken des Gesundheitssystems mit den Körpern und Nervensystemen der Gesundheitsarbeiter. Und dann deckte sie diesen Verschlussvorgang mit Applaus, Denkmälern, Dank und großen Worten zu. Genau hier wirkte das Narrativ der Selbstlosigkeit: Was wie eine freiwillige und erhabene Geste des Gebens erschien, war in Wirklichkeit ein von anderen aufgebürdetes und danach normalisiertes Gesundheitsopfer.

Einer derjenigen, die diese Sprache in ihrer raffiniertesten Form errichteten, war Slavoj Žižek. Zwischen dem groben Sentimentalismus des Applauses, der von den Balkonen herabstieg, und dem hohen Ton des theoretischen Diskurses bestand kein wesentlicher Unterschied; es gab nur einen Tonunterschied. Der eine nannte die Gesundheitsarbeiter Helden, der andere bezeichnete sie als die heute Lebendigsten. Aber beide Sprachen verrichteten dieselbe Arbeit: Sie schickten den ungeschützten, einem übermäßigen Risiko ausgesetzten und anschließend mit langanhaltenden Symptomen lebenden Arbeiter nicht als Menschen mit konkreten Bedürfnissen auf die Bühne, sondern als bedeutungsaufgeladene Figur. So wurde die materielle Realität von Risiko, Erschöpfung und späterem Schaden in einen gedanklichen Glanz eingebettet.

Leeres Gerede im Zitat aus Surplus-Enjoyment

Žižeks Pandemiepassage aus der Linie von Surplus-Enjoyment liest sich auf den ersten Blick nicht wie ein Text, der Gesundheitsarbeiter herabsetzt, sondern im Gegenteil wie einer, der sie verherrlicht. Genau hier beginnt bereits das Problem. Denn Verherrlichung ist oft eine wirksamere Form der Tilgung als Leugnung. Die betreffende Passage lautet:

Rammsteins ‚wir müssen leben, bis wir sterben‘ skizziert einen Ausweg aus dieser Sackgasse: Um gegen die Pandemie zu kämpfen, sollten wir mit äußerster Intensität leben. Gibt es heute jemanden, der LEBENDIGER ist als Millionen Gesundheitsarbeiter, die in vollem Bewusstsein täglich ihr Leben riskieren? Viele von ihnen starben, aber bis zu ihrem Tod lebten sie. Sie opferten sich nicht einfach für uns auf und erhielten dafür unser heuchlerisches Lob. Und noch viel weniger waren sie bloße Überlebensmaschinen, reduziert auf nacktes Leben — sie waren diejenigen, die heute am lebendigsten sind. Was ist also, genauer betrachtet, die existentielle Haltung, für die Rammstein in diesem Lied eintritt? Es ist eine Version dessen, was Lacan subjektive Entäußerung nannte, den abschließenden Moment des psychoanalytischen Prozesses.

Die türkische Entsprechung dieser Passage wurde auch bei Yersiz Şeyler veröffentlicht; auch dort bleibt dieselbe Akzentsetzung erhalten: Wer ist heutzutage lebendiger als Millionen Gesundheitsarbeiter, die tagtäglich in vollem Bewusstsein ihr eigenes Leben riskierend weiterarbeiten; viele von ihnen starben, aber bis sie starben, lebten sie (🔗).

Hier scheint auf den ersten Blick Mut gelobt zu werden. Tatsächlich besteht die eigentliche Bewegung des Textes aber in etwas anderem. Die realen Bedingungen der Gesundheitsarbeiter während der Pandemie — fehlende oder unzureichende Schutzausrüstung, sich verlängernde Schichten, unaufhörliche Todesexposition auf Intensivstationen und in Krankenstationen, Erschöpfung, Infektionsrisiko, die Angst, das Virus in die Familie zu tragen, später eintretende dauerhafte Symptome — werden nicht als gesellschaftliches und institutionelles Problem behandelt. Sie werden zum Material eines existenziellen Tons gemacht, der höchstintensives Leben genannt wird. Der Gesundheitsarbeiter hört damit auf, ein zu schützender Arbeiter zu sein, und wird zu einer philosophischen Figur. Sein Körper, sein Geist und der Schaden, den er später erleiden wird, werden ausgelöscht; übrig bleibt ein Bild, das mitten im Todesrisiko die Intensität des Lebens repräsentiert.

Das Problematischste an diesem leeren Gerede ist, dass es so aussieht, als widerspreche es dem heuchlerischen Applaus, in Wahrheit aber eine raffiniertere Version eben dieses Applauses errichtet. Žižek nimmt ausdrücklich Abstand von heuchlerischem Lob. Aber dann errichtet er eine andere Form desselben Lobs. Was die romantische Sprache des Heldentums tut, die Menschen von den Balkonen aus an Gesundheitsarbeiter richteten, ist dem Wesen nach dasselbe wie das, was hier geschieht. Der Unterschied ist folgender: Der eine spricht in der Sprache alltäglicher Sentimentalität, der andere in der Sprache theoretischer Intensität. Der eine sagt: Ihr seid unsere Helden, der andere sagt: Ihr seid heute die Lebendigsten. In beiden Fällen werden Gesundheitsarbeiter davon entfernt, Menschen zu sein, die konkret geschützt, ausgeruht, behandelt und später unterstützt werden müssen; sie werden in Symbole verwandelt, die das Bedürfnis anderer nach Sinnproduktion tragen.

Hier ist außerdem der letzte Schritt wichtig, den der Text unternimmt, indem er sich auf Lacan stützt. Indem er auf einen Begriff wie subjektive Entäußerung zurückgreift, präsentiert er die Erfahrung des Gesundheitsarbeiters in der Pandemie als eine Art Moment existenzieller Wahrheit. Das erklärt nicht, was Gesundheitsarbeiter durchgemacht haben; es platziert sie in ein gedankliches Schema. Dabei müsste erklärt werden, warum Menschen ungeschützt gelassen wurden, warum sie sich in diesem Ausmaß infizierten, warum sie später in so hohem Maß anhaltende Symptome entwickelten und warum diese Symptome so lange unsichtbar blieben. Die Erfahrung der Gesundheitsarbeiter während der Pandemie in ihrem wirklichen Sinn ernst zu nehmen, ist nicht dadurch möglich, dass man sie als Figuren von Lebendigkeit, Hingabe oder Wahrheit aufglänzen lässt, sondern dadurch, dass man die materielle Ordnung offenlegt, die dazu führte, dass sie ihre Gesundheit verloren.

Der Einwand richtet sich deshalb hier nicht dagegen, dass Gesundheitsarbeiter tatsächlich Mut gezeigt haben. Natürlich haben sie das getan. Der Einwand richtet sich dagegen, dass dieser Mut als gedankliche Dekoration benutzt wird, die institutionelles und gesellschaftliches Versagen verdeckt. Dass ein Gesundheitsarbeiter unter schwerem Risiko arbeitet, erzeugt nicht von selbst eine erhabene ethische Szene; es verweist vor allem auf eine Schutzlücke, auf ein Arbeitsregime und auf eine politische Entscheidung. Während Menschen später mit PASC, kognitivem Abbau, chronischer Müdigkeit, Schlafstörungen, Atemnot, Herzklopfen, Depression und Funktionsverlust weiterleben, ist die Aussage, ihr wart die Lebendigsten, keine Erklärung, sondern eine Flucht.

Was eigentlich gesagt werden müsste, ist viel schlichter. Gesundheitsarbeiter sind weder bloße Opferfiguren noch romantische Helden. Sie sind Arbeiter, denen in einer gesellschaftlichen Katastrophe übermäßig Last aufgebürdet wurde, damit das System aufrechterhalten werden konnte. Sie hätten geschützt werden müssen. Sie hätten anerkannt werden müssen, als sie sich infizierten. Als sie mit langanhaltenden Symptomen lebten, hätten sie Behandlung, Nachsorge und Anpassungen am Arbeitsplatz erhalten müssen. Große Worte ersetzen keines dieser Bedürfnisse.

Warum PASC bei Gesundheitsarbeitern eine zentrale Realität ist

PASC, also postakute COVID-Folgen, bezeichnet grob Symptomgruppen, die nach einer akuten Infektion noch wochen- und monatelang anhalten oder neu auftreten und sich nicht besser durch eine andere Ursache erklären lassen. Long COVID ist die geläufigere Bezeichnung; PASC ist die klinischere Benennung. Um die Sache zu verstehen, muss man zuerst diesen einfachen Punkt sehen: COVID-19 ist nicht nur eine akute Atemwegsinfektion. Bei manchen Menschen hinterlässt die Infektion auch nach ihrem Ende eine Reihe von Wirkungen, die im Körper und im Geist fortbestehen. Diese Wirkungen sind nicht auf ein einziges Organ beschränkt. Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigung, Schlafstörungen, Geruchs- und Geschmacksverlust, Atemnot, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Angstzustände, Depression und Verschlechterung nach Belastung können verschiedene Gesichter desselben Zustands sein.

Dass dieses Bild bei Gesundheitsarbeitern von besonderer Bedeutung ist, liegt nicht nur daran, dass sie sich häufiger infiziert haben. Gesundheitsarbeiter waren von Beginn der Pandemie an eine Gruppe, die dem Virus intensiver ausgesetzt war, länger arbeitete, höhere Stresslasten trug und in Bezug auf Ruhe, Genesung und sichere Rückkehr oft weniger Spielraum hatte. Da sich Infektionsrisiko, Arbeitslast und seelische Last überlagerten, ist es nicht überraschend, dass langanhaltende Symptome in dieser Gruppe sichtbarer und zerstörerischer waren. Die Daten zeigen dies denn auch.

Die NHS CHECK-Studie in England lieferte hierzu einen der markantesten Befunde. In dieser Studie, in der 5248 Gesundheitsarbeiter nachverfolgt wurden, galten 33,6 % der Teilnehmenden wegen mindestens 12 Wochen anhaltender Symptome als mit Post-COVID-Syndrom vereinbar; demgegenüber berichteten nur 7,4 %, eine offizielle Diagnose erhalten zu haben. Die häufigsten Symptome waren Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Insomnie und Angst oder Depression. Außerdem war das Risiko höher bei Personen, die direkt mit COVID-19-Patienten arbeiteten, bei Frauen, bei Älteren, bei Personen mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen und bei jenen, die zu Beginn eine hohe Last psychischer Symptome trugen (🔗, 🔗). Dieser Befund sagt viel aus. Erstens ist das Problem nicht marginal; es ist von einer Größenordnung von beinahe einem Drittel die Rede. Zweitens besteht eine deutliche Kluft zwischen dem Vorhandensein von Symptomen und ihrer medizinischen Anerkennung. Das heißt: Gesundheitsarbeiter erkranken, aber diese Erkrankung wird oft nicht bei ihrem vollen Namen gesehen.

Auch in einer anderen prospektiven multizentrischen Studie aus einer früheren Phase zeigte sich ein ähnliches Bild. In dieser Studie, in der 3334 Gesundheitsarbeiter ausgewertet wurden, war die Rate des Berichtens von mindestens einem mit Long COVID vereinbaren Symptom bei Gesundheitsarbeitern mit positivem nasopharyngealem Abstrich deutlich höher als in der Kontrollgruppe: 73 % gegenüber 52 %. Selbst bei Seropositiven ohne ausgeprägte akute Erkrankung traten einige Symptome, insbesondere Geschmacks- und Geruchsstörungen sowie Haarausfall, häufiger auf als in den Kontrollen. Zudem gab es noch einen weiteren auffälligen Befund: 24 % der negativen Kontrollgruppe berichteten Erschöpfung oder Burnout (🔗). Dieser letzte Befund ist sehr wichtig, denn die Wirkung der Pandemie auf Gesundheitsarbeiter bestand nicht nur aus biologischen Folgen nach der Infektion. Selbst Nichtinfizierte waren unter der extremen Arbeitslast und der psychischen Zerstörung derselben Periode erheblich zermürbt. PASC bei Gesundheitsarbeitern ist deshalb nicht nur eine virologische Angelegenheit; es ist ein Bild, in dem pandemische Arbeitsordnung und biologischer Schaden ineinandergreifen.

Je länger die Nachbeobachtungszeit, desto deutlicher wird der Ernst der Lage. Eine Kohortenstudie unter Krankenhausmitarbeitern in Deutschland zeigte, dass 47,1 % der Teilnehmenden mindestens ein persistierendes Symptom meldeten, das länger als 90 Tage andauerte (🔗). In einer anderen prospektiven 12-Monats-Studie wurde berichtet, dass bei 20,3 % der Teilnehmenden, die überwiegend Gesundheitsarbeiter waren, drei oder mehr Symptome mindestens 12 Monate anhielten; unter diesen Symptomen waren Müdigkeit, Gedächtnisverlust, Anosmie, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Husten (🔗). Diese Daten zeigen, dass Long COVID nicht bloß aus einer um einige Wochen verzögerten Genesung besteht. Es geht um Arbeiter, die Monate später noch immer multiple Symptome tragen, deren Alltagsfunktion gestört ist und deren Aufmerksamkeits- und Energiekapazität gesunken ist.

Noch erschütternder sind Nachverfolgungsdaten, die sich bis zu vier Jahre erstrecken. Laut dem CIDRAP-Bericht, der eine Studie über Gesundheitsarbeiter zusammenfasst, die sich mit dem Wildtyp von SARS-CoV-2 infiziert hatten, berichteten selbst nach einem Median von ungefähr vier Jahren noch 58,6 % der verbliebenen Teilnehmenden über mindestens ein Symptom. Die Autoren wiesen insbesondere darauf hin, dass sich Brain Fog nicht in bedeutsamem Maß zurückgebildet habe, was auf die Möglichkeit anhaltender kognitiver Beeinträchtigung hindeute, und dass eine vollständige Genesung für viele Menschen weiterhin ungewiss sei. Dieselbe Studie betonte auch, dass Long COVID als chronischer Zustand anerkannt werden müsse und insbesondere strukturierte Rückkehrprogramme an den Arbeitsplatz sowie flexible Anpassungen der Arbeitslast erforderlich seien (🔗). Vier Jahre sind nicht mehr die Bezeichnung einer Nachphase, sondern der Name eines neuen Horizonts der Chronifizierung.

Der Punkt, auf dem hier besonders bestanden werden muss, ist nicht so sehr das einzelne Vorhandensein von Symptomen, sondern wie sie eine ganze Funktionswelt aushöhlen. Müdigkeit bedeutet nicht nur, sich müde zu fühlen; sie bedeutet den Verlust der Fähigkeit, eine Schicht zu bewältigen. Atemnot bedeutet nicht nur, schon nach ein paar Stufen außer Atem zu geraten; sie bedeutet, dass der Körper auf langen Stunden auf der Station, der Intensivstation, im Operationssaal oder im Stehen nicht mehr so antwortet wie früher. Konzentrationsschwierigkeiten bedeuten nicht nur Vergesslichkeit; sie bedeuten die Störung klinischer Entscheidungen mit hohem Aufmerksamkeitsbedarf, von Medikamentenberechnungen, Patientenbeobachtung und Kommunikation. Insomnie bedeutet nicht nur schlecht zu schlafen; sie bedeutet, die Leistungsfähigkeit des nächsten Tages, die Emotionsregulation und die Fähigkeit zu sicherem Arbeiten auszuhöhlen. Deshalb PASC bei Gesundheitsarbeitern nur als ein gewisses Mehr an Symptomen zu lesen, verfehlt den Kern der Sache. Die eigentliche Gefahr besteht hier darin, dass der arbeitende Körper und der arbeitende Geist nicht mehr so arbeiten können wie früher.

Wenn man PASC bei Gesundheitsarbeitern betrachtet, muss man auch die Diagnoselücke gesondert ernst nehmen. Der Unterschied zwischen dem Erleben von Symptomen und der Anerkennung dieser Symptome durch das Gesundheitssystem ist nicht bloß ein technisches Erfassungsproblem. Ein nicht anerkanntes Symptom ist oft ein Symptom, das keine angemessene Weiterleitung erhält. Und ein Symptom, das keine angemessene Weiterleitung erhält, wird entweder individueller Ungeduld, Psychologisierung oder dem stillen Rat zum Durchhalten überlassen. Dabei sagen die vorliegenden Daten genau das Gegenteil: Long COVID ist bei Gesundheitsarbeitern hinreichend verbreitet, hinreichend schwer und hinreichend langandauernd, um nicht mehr als außergewöhnliches Abenteuer, sondern als eine der zentralen Realitäten postpandemischer Gesundheitsarbeit behandelt werden zu müssen.

In der Pandemie kämpften Gesundheitsarbeiter nicht nur gegen das Virus. Gleichzeitig trugen sie auch die Lücken des Systems, die Angst der Gesellschaft, die Unvorbereitetheit der Institutionen und die danach einsetzende Leugnung. PASC ist die biologisch und funktional in den Körper eingeschriebene Form dieser Last. Deshalb reichen die Worte Infektion, Tod und Heldentum allein nicht aus, um die Lage der Gesundheitsarbeiter während der Pandemie zu beschreiben. Das treffendere Wort ist Dauerhaftigkeit. Denn das eigentliche Problem besteht darin, dass es in den Körpern und Geistern der Gesundheitsarbeiter auch nach jenen ersten Jahren, die weitgehend aus der Erinnerung verschwunden sind, nicht beendet ist.

Die Tatsache, dass ihre Gesundheit preisgegeben wurde, während sie heroisiert wurden

Einer der wirksamsten ideologischen Sätze der Pandemie war, dass Gesundheitsarbeiter Helden seien. Auf den ersten Blick sah das wie ein Ausdruck von Dankbarkeit aus. Menschen applaudierten, traten auf die Balkone, veröffentlichten Dankesbotschaften in den sozialen Medien, Politiker und Kommentatoren sprachen von der außerordentlichen Selbstlosigkeit der Gesundheitsarbeiter. Aber die eigentliche Wirkung dieser Sprache bestand nicht darin, Gesundheitsarbeiter zu schützen, sondern darin, ihren mangelnden Schutz erträglicher und legitimer erscheinen zu lassen. Denn wenn du eine Berufsgruppe als heldenhaft bezeichnest, beginnst du, das übermäßige Risiko, dem sie ausgesetzt ist, nicht mehr als außerordentliches Versagen zu sehen, sondern fast als natürliche Verlängerung des Berufs. Der Held ist ohnehin die Person, die über die Grenze hinausgeht. Der Held ist derjenige, der sich in Gefahr bringt. Der Held ist derjenige, der nicht nach gewöhnlichen Schutzmaßstäben gedacht wird. So gewann die Sprache des Heldentums genau in dem Moment Funktion, in dem die Schutzpflicht gelockert wurde.

Deshalb machte die Bewunderung, die Gesundheitsarbeitern während der Pandemie entgegengebracht wurde, ihre realen Bedingungen nicht sichtbar; im Gegenteil, sie legte über diese Bedingungen einen Glanz. Unzureichende persönliche Schutzausrüstung, unaufhörlich länger werdende Schichten, Personalmangel, mehrmals am selben Tag dem Tod direkt ins Gesicht schauen, die Verzweiflung von Angehörigen tragen, mit der Angst leben, das Virus nach Hause zu bringen, manchmal im Krankenhaus schlafen, manchmal den Zusammenbruch der eigenen Kollegen ansehen und dann am nächsten Tag wieder zur Arbeit zurückkehren — all das wurde im Wort Heldentum als außergewöhnliche, aber verständliche Selbstlosigkeit dargestellt. Dabei war das Verständliche hier nicht Selbstlosigkeit; verständlich war die Unzulänglichkeit institutioneller Vorbereitung und dass der Preis dafür mit den Körpern, den Nervensystemen und den später eintretenden Krankheiten der Gesundheitsarbeiter bezahlt wurde.

Eines der Werke, die diesen Mechanismus am klarsten beschreiben, ist die Analyse, die untersucht, wie während der Pandemie die Figur der Pflegekraft konstruiert wurde. In dieser Arbeit werden drei Haupteffekte des Heldendiskurses hervorgehoben: Gesundheitsarbeiter als notwendige Opfer darzustellen, sie als Modellbürger zu präsentieren und Heldentum selbst an die Stelle der Belohnung zu setzen. Die Vorstellung des notwendigen Opfers ist besonders wichtig; denn sie erlaubt es, dass der Einsatz von Gesundheitsarbeitern an vorderster Front unter unzureichendem Schutz so dargestellt wird, als sei er ein Beweis beruflicher Tugend. Derselbe Diskurs zeichnet sie als disziplinierte, gehorsame und ohne Klage arbeitende Musterbürger; am Ende lässt er anstelle realer Unterstützung und Entschädigung den Titel des Heldentums als symbolische Belohnung zurück (🔗). Das ist kein bloßes Sprachspiel. Welche Figur in den Augen der Öffentlichkeit errichtet wird, bestimmt auch, was von dieser Figur erwartet wird. Wer ständig als Held angerufen wird, wird irgendwann zu jemandem, der keine Hilfe mehr verlangen kann, keine Grenzen ziehen kann und von dem erwartet wird, die eigene Gesundheit hintanzustellen.

Genau das war der häufige Widerspruch in der Erfahrung der Gesundheitsarbeiter während der Pandemie. Einerseits wurde über sie in einer fast sakralisierenden Sprache gesprochen; andererseits wurde im selben Zeitraum kein ausreichender Schutz gewährt, infizierten sich zahlreiche Arbeiter, wurde Erschöpfung normalisiert und wurden langfristige Gesundheitsfolgen nicht in dem Maß anerkannt, wie es nötig gewesen wäre. Zwischen Heroisierung und Vernachlässigung bestand kein Widerspruch; das eine überdeckte das andere. Je häufiger wiederholt wurde, wie außergewöhnlich ein Gesundheitsarbeiter sei, desto seltener wurde gefragt, warum ihm gewöhnliche Rechte nicht gewährt wurden. Warum es nicht genügend Personal gab, warum das Ansteckungsrisiko so hoch war, warum die Rückkehr der Erkrankten an den Arbeitsplatz nicht geplant wurde, warum ein erheblicher Teil der Menschen mit langanhaltenden Symptomen nicht einmal eine offizielle Diagnose erhalten konnte — diese Fragen waren im Lärm der Heldensprache immer schwerer zu hören.

Die 2026 veröffentlichten Erkenntnisse der COVID Inquiry in England machten diese Realität auch auf institutioneller Ebene sichtbar. Die Inquiry stellte fest, dass der NHS während der Pandemie an den Rand des Zusammenbruchs gekommen sei und das System nur dank der almost superhuman efforts der Gesundheitsarbeiter aufrechtgeblieben sei; Mangel an PPE, falsche Ansätze der Infektionskontrolle, moral injury angesichts des Sterbens von Patienten und eine intensive psychische Belastung gehörten zu den Hauptthemen des Berichts (🔗). Gerade auf den Ausdruck almost superhuman efforts muss man hier eingehen. Auf den ersten Blick ist er ein Lob. Aber die Umkehrlesung des Satzes ist weit aufschlussreicher: Das System konnte ohne eine nahezu übermenschliche Überforderung nicht aufrechterhalten werden. Anders gesagt: Das Kapazitätsdefizit der Institution wurde mit der Gesundheit der Gesundheitsarbeiter geschlossen. Institutionelle Defizite wie Bettenzahl, Personalzahl, Infektionskontrolle, Ausrüstung, Organisation und Vorbereitung wurden dadurch kompensiert, dass der arbeitende Körper mehr arbeitete, mehr Risiko einging und länger durchhielt. Das bedeutet nicht, Selbstlosigkeit zu verlangen; das bedeutet, die Gesundheit eines anderen zu benutzen, um die Lücke des Systems zu schließen.

Der Preis dieser Benutzung endete nicht in der akuten Phase. Die Long-COVID-Daten zeigen, dass Gesundheitsarbeiter nicht bloß jene Tage überstanden, sondern die Spuren jener Tage auch Jahre später noch in ihren Körpern und Geistern tragen. Deshalb besteht die dunkelste Folge des Heldendiskurses nicht nur darin, sie im betreffenden Moment ungeschützt zu lassen, sondern auch darin, den späteren Schaden unsichtbar zu machen. Für den Gesundheitsarbeiter, der unter Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Atemnot, Schlafstörungen, Herzklopfen, Angst und Depression leidet, ist die gesellschaftliche Erzählung längst beendet; der Applaus ist verklungen, das normale Leben ist zurückgekehrt, die Erinnerung an das Heldentum liegt in der Vergangenheit. Aber für den arbeitenden Körper ist die Angelegenheit nicht beendet. PASC wurde zum Namen dieser Nichtbeendetheit.

Žižeks Sprache errichtet die grobe, sondern die raffinierte Version dieser gesellschaftlichen Tendenz. Genau deshalb muss man bei denselben Sätzen noch einmal verweilen:

Rammsteins ‚wir müssen leben, bis wir sterben‘ skizziert einen Ausweg aus dieser Sackgasse: Um gegen die Pandemie zu kämpfen, sollten wir mit äußerster Intensität leben. Gibt es heute jemanden, der LEBENDIGER ist als Millionen Gesundheitsarbeiter, die in vollem Bewusstsein täglich ihr Leben riskieren? Viele von ihnen starben, aber bis zu ihrem Tod lebten sie. Sie opferten sich nicht einfach für uns auf und erhielten dafür unser heuchlerisches Lob. Und noch viel weniger waren sie bloße Überlebensmaschinen, reduziert auf nacktes Leben — sie waren diejenigen, die heute am lebendigsten sind. Was ist also, genauer betrachtet, die existentielle Haltung, für die Rammstein in diesem Lied eintritt? Es ist eine Version dessen, was Lacan subjektive Entäußerung nannte, den abschließenden Moment des psychoanalytischen Prozesses.

Was in diesem Zitat geschieht, ist nicht, die gewöhnliche und emotionale Version des Heldentums zu überschreiten, sondern sie mit theoretischer Intensität neu zu produzieren. Gesundheitsarbeiter erscheinen hier nicht als Arbeiter, die mit unzureichender Schutzausrüstung arbeiten und später mit anhaltenden Symptomen leben, sondern als Subjekte, die mitten im Todesrisiko den höchsten Grad an Lebendigkeit erreichen. Der Satz, viele von ihnen seien gestorben, aber bis zu ihrem Tod hätten sie gelebt, mag auf den ersten Blick eindrucksvoll wirken. Dabei wird in diesem Satz der materielle Gehalt des Verlusts ausgelöscht. Denn was eigentlich gefragt werden müsste, ist nicht, wie lebendig Menschen vor ihrem Tod waren, sondern warum sie unter so hohem Risiko arbeiteten, warum sich so viele infizierten, warum sie später so viele dauerhafte Symptome entwickelten und warum die Gegenmaßnahmen, die dieses Bild hätten tragen müssen, so spät und so unzureichend blieben. Die Betonung existenzieller Intensität deckt institutionelles Versagen zu.

Deshalb muss man die Beziehung zwischen Heroisierung und Preisgabe während der Pandemie umgekehrt herstellen. Gesundheitsarbeiter wurden nicht deshalb geschätzt, weil sie heroisiert wurden; im Gegenteil, sie wurden heroisiert, weil ihnen der materielle Gegenwert ihres Werts nicht gegeben wurde. Heldentum wurde hier zu einer kostengünstigen Form symbolischer Bezahlung, die an die Stelle realen Schutzes trat. An die Stelle einer Lohnerhöhung, einer sicheren Personalquote, wirksamer Infektionskontrolle, Rückkehrpläne an den Arbeitsplatz mit Respekt vor dem Genesungsprozess und langfristiger Behandlungsunterstützung traten Applaus, Lob und große Worte. Deshalb geht es nicht darum, die Selbstlosigkeit der Gesundheitsarbeiter zu würdigen. Es geht darum, klar auszusprechen, dass ihre Gesundheit von Gesellschaft und Institutionen wie ein Krisenpuffer benutzt wurde.

Dritte Welle mental: Die Ästhetik der digitalen Abschließung hat das noch angeheizt

In den ersten Monaten der Pandemie richtete sich die Angst stärker auf die Infektion selbst. Tägliche Fallzahlen, Sterbegrafiken, Auslastung der Intensivstationen, Ausgangsbeschränkungen und Lockdowns bestimmten den grundlegenden Horizont des Lebens. Dann dehnte sich die Zeit. Das Virus veränderte nicht nur die Körper, sondern auch die Form des Alltagslebens. Menschen zogen sich lange in ihre Wohnungen zurück, Kontakte nahmen ab, Arbeit, Bildung, Gespräche, Therapie, Diskussion, Nachrichtenschauen und sogar Trauer liefen über Bildschirme. So hörte die Pandemie auf, nur eine biologische Krise zu sein, und verwandelte sich in ein Zeitregime, das sich in die alltägliche Wahrnehmung, das Selbstgefühl und die psychische Ordnung einlagerte. Das Problem, das hier entstand, war nicht nur Isolation. Es war zugleich ein Leben, das über digitale Ströme, Kameras, Gesichter, Kommentare, Filter, Überschriften und die ständige Ausgesetztheit gegenüber dem eigenen Bild geführt wurde.

Žižeks folgende Worte sind an diesem Punkt wichtig:

Die erste Welle richtete unsere Aufmerksamkeit verständlicherweise auf die Gesundheitsfragen, darauf, wie man verhindern kann, dass sich das Virus auf ein unerträgliches Maß ausweitet. Deshalb akzeptierten die meisten Länder Quarantänen, soziale Distanzierung usw. Obwohl die Zahl der Infizierten in der zweiten Welle viel höher ist, wächst dennoch die Angst vor den langfristigen wirtschaftlichen Folgen. Und wenn die Impfstoffe die dritte Welle nicht verhindern, kann man sicher sein, dass ihr Schwerpunkt auf der psychischen Gesundheit liegen wird, auf den verheerenden Folgen des Verschwindens dessen, was wir als normales soziales Leben wahrnehmen. Deshalb werden psychische Krisen auch dann anhalten, wenn die Impfstoffe wirken.

Diese Vorhersage war in ihrer Stoßrichtung treffend. Die Pandemie blieb tatsächlich nicht nur eine Infektions- und Wirtschaftskrise; sie hinterließ einen psychischen Bodensatz, ja sogar ein sich verlängerndes Feld psychischen Drucks. Aber um zu verstehen, wie sich dieser psychische Druck formte, muss man noch einen Schritt weitergehen. Denn hier ging es nicht nur um den Verlust des normalen sozialen Lebens. Es ging zugleich auch darum, wie dieser Verlust erlebt wurde, mit welchen Mitteln er erfahren wurde und innerhalb welches Bildregimes er verarbeitet wurde. Die digitale Form der Abschließung, also Nachrichtenströme, soziale Medien, Online-Treffen, Self-View-Bildschirme, gefilterte Gesichter und der Zustand ständiger Online-Präsenz, schuf einen Boden, der die psychische Last nicht nur trug, sondern vergrößerte.

Eine Studie über lange Lockdowns ist deshalb sehr lehrreich. Die Forscher zeigten, dass die verlängerte Abschließung die Menschen nicht gewöhnte, sondern im Gegenteil traumatisierte; insbesondere traten die Auswirkungen der Mediennutzung auf die psychische Gesundheit in der späteren Phase deutlicher hervor. Es zeigte sich insbesondere, dass die mit sozialen Medien verbundene Nachrichtennutzung sowie Praktiken des Kommentarlesens und der Verinnerlichung von Nachrichten Symptome von Angst und Depression verstärkten. In den Worten der Studie hatte die lange Abschließung nicht habituation, sondern traumatization hervorgebracht (🔗, 🔗). Dieser Befund ist einfach, aber wichtig. Die Menschen waren nicht nur zu Hause eingeschlossen; sie waren zugleich ständig von Krisenbildern, Schlagzeilen, Debatten, Verschwörungserzählungen, Todeszahlen und Zornzyklen umgeben. In gewissem Sinne verschwand die Außenwelt, während ihr digitales Abbild in weit intensiverer Form ins Innere strömte.

Hier wurde auch die Gewohnheit zentral, die doomscrolling genannt wird. Dass Menschen unablässig negative Nachrichten konsumierten, indem sie weiter und weiter scrollten, war nicht nur eine Form der Informationsbeschaffung; es war ein Affektregime. Jede neue Schlagzeile trug eine neue Bedrohung, jeder Kommentar einen neuen Zorn, jedes Video eine neue Beunruhigung. Studien, die den Zusammenhang zwischen pandemiebezogener Exposition gegenüber sozialen Medien und Symptomen von Depression und posttraumatischem Stress zeigen, sind deshalb nicht überraschend (🔗). Die Quelle der psychischen Krise war nicht nur die Überfülle des Inhalts. Auch die Form des Inhalts war bestimmend: dass der Strom nicht endete, der Rhythmus der Wiederholung, der Zustand zerstreuter Wachsamkeit, den das ständige Online-Sein erzeugte, und dass die Person keinen Raum finden konnte, in dem sie ihren eigenen Geist zur Ruhe bringen konnte.

Die zweite und weniger besprochene Dimension der digitalen Abschließung war hingegen die Störung des Körperbildes. Vor der Pandemie sahen Menschen ihr eigenes Gesicht und ihren Körper im Lauf des Tages nicht so häufig, so lange und aus einem derart technisch verzerrten Winkel. Videotreffen, Online-Unterricht, Gespräche auf Distanz, digitale Therapiesitzungen und das Abfließen sozialer Interaktionen über den Bildschirm konfrontierten Menschen ständig mit ihrem eigenen Bild. Hinzu kommt, dass das Kamerabild das Gesicht nicht wirklichkeitsgetreu wiedergibt; Winkel, Licht, Nähe und Eigenschaften des Objektivs können die Gesichtsproportionen verzerren. Wenn dazu noch Filter, Verschönerungsanwendungen und idealisierte Gesichter hinzukommen, die in den sozialen Medien zirkulieren, kann die Person ihr eigenes Gesicht nicht mehr einfach als Gesicht, sondern als ein Projekt zu sehen beginnen, das korrigiert werden muss.

Im Zusammenhang mit diesem Prozess trat das Phänomen auf, das zoom dysmorphia genannt wird. Eine Studie, die den Zusammenhang der Nutzung von Videokonferenzen mit Sorge um das Aussehen und dem Wunsch nach kosmetischen Eingriffen untersuchte, zeigte, dass die Häufigkeit von Self-View und die Verwendung von Filtern in signifikanter Weise mit diesen Wünschen verbunden waren (🔗). Das lange Betrachten des eigenen Gesichts vor dem Bildschirm zerstört die natürliche Ganzheit des Gesichts im Alltagsleben; die Person beginnt ihre Mimik, ihre Haut, ihre Nase, ihr Kinn, die Augenpartie, das Erschlaffen, Asymmetrien und Alterszeichen so wahrzunehmen, als würden andere sie ebenso hart und aus ebenso großer Nähe betrachten. Dadurch kann die Sorge um das Aussehen von einer gewöhnlichen Unzufriedenheit in ein zwanghafteres Regime der Selbstbeobachtung übergehen.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur körperdysmorphen Störung nach der Pandemie zeigt, dass dieses Feld nicht verharmlost werden kann. Die Studie bewertet anhand verschiedener Stichproben die Prävalenz der körperdysmorphen Störung und ihre Folgen nach der Pandemie; sie macht deutlich, dass die zwanghafte Beschäftigung mit dem Aussehen, funktionelle Beeinträchtigung und psychische Last ein ernstes Problem darstellen (🔗). Eine andere systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 findet ebenfalls eine hohe Prävalenz von BDD in der Allgemeinbevölkerung und berichtet, dass die Raten insbesondere in bestimmten Untergruppen noch weiter ansteigen (🔗). Worauf man hier achten muss, ist nicht nur, dass mit der Pandemie die allgemeine Angst zugenommen hat; vielmehr wurde auch das Verhältnis zum Körper durch digitale Mittel neu geformt.

Übersichtsarbeiten, die den Zusammenhang zwischen sozialen Medien, Schönheitsidealen und Körperdysmorphie untersuchen, weisen ebenfalls in dieselbe Richtung. Die ständige Exposition gegenüber gefilterten Gesichtern, retuschierten Körpern, der Normalisierung ästhetischer Eingriffe und idealisierten Repertoires des Aussehens steigert die Sorge um das Aussehen und führt dazu, dass die Person ihren eigenen Körper mit einem härteren und entfremdenderen Blick bewertet (🔗). Während der Pandemie wurde dieser Prozess nicht nur durch die Nutzung sozialer Medien beschleunigt, sondern auch dadurch, dass das gesamte Arbeits- und Alltagsleben über den Bildschirm gelebt wurde. Die Person blickte nicht nur auf die bearbeiteten Bilder anderer; sie sah zugleich auch ihr eigenes verzerrtes digitales Bild.

Deshalb reicht es nicht, bei der Rede von der dritten Welle mental nur an einen Anstieg von Depression und Angst zu denken. Hier gab es auch eine ästhetische Form der psychischen Last. Das, was man Ästhetik der digitalen Abschließung nennen könnte, war genau dies: die Neukonstruktion des eingeschlossenen Körpers innerhalb von Bildschirm, Kamera, Filter, Nachrichtenstrom und Selbstbeobachtung. In dieser Anordnung nährte sich die psychische Krise nicht nur aus Angst, sondern auch aus ständiger Exposition, aus der von der Form aufgezwungenen Wiederholung und aus technischen Schnittstellen, die die Beziehung der Person zu ihrem eigenen Gesicht entfremdeten. So betrachtet erzeugte die Pandemie psychisch nicht nur Entbehrung; sie verzerrte zugleich auch die Wahrnehmung, zersplitterte die Aufmerksamkeit, verhärtete das Verhältnis zum Körper und verwandelte Menschen in unruhige Zeugen ihrer eigenen Bilder.

Wird in der mentalen Pandemie auch das Wohlergehen der Psychologen preisgegeben?

Wenn über die Pandemie und die psychische Last danach gesprochen wird, bleibt die folgende Frage meist unsichtbar: Wer trägt diese Last? Genauer gesagt: Wer bearbeitet, wer hört zu, wer hält aus, wer fängt auf, wer nimmt die Welle von gesellschaftlich wachsender Angst, Trauer, Trauma, Einsamkeit, Erschöpfung, Panik, Zorn und Hoffnungslosigkeit auf? Die Antwort auf diese Frage lautet nicht nur abstrakt das psychische Gesundheitssystem. Die konkrete Antwort sind Psychologen, Psychiater, psychiatrische Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Berater und andere Mental-Health-Beschäftigte. Das heißt: Auch diejenigen, die eingreifen, damit die Gesellschaft mit ihrer psychischen Zerstörung zurechtkommt, sind Arbeiter aus Fleisch und Blut. Das eigene psychische Gleichgewicht dieser Beschäftigten verschwindet meist hinter den Bedürfnissen der Hilfesuchenden. Wenn es aber wirklich eine mentale Pandemie gibt, dann wird ihre Trägerfläche erneut das Nervensystem der Arbeitenden sein.

Deshalb kann die Lage der Psychologen und der anderen Mental-Health-Beschäftigten als das Gegenstück im Feld der psychischen Gesundheit zu jener strukturellen Logik gelesen werden, die PASC bei Gesundheitsarbeitern zeigt. So wie während der Pandemie die physische und neurokognitive Gesundheit der Gesundheitsarbeiter als Preis gesellschaftlicher Kontinuität verbraucht wurde, können in Zeiten psychischer Krisen auch die emotionale Kapazität, die Aufmerksamkeitskraft, die empathische Energie und das innere Gleichgewicht von Psychologen und anderen Mental-Health-Beschäftigten auf dieselbe Weise aufgebraucht werden. Die Gesellschaft neigt dazu, diese Beschäftigten in der Krise wie eine unbegrenzte Reserve an Unterstützung zu betrachten. Aber sie sind nicht unbegrenzt; während sie traumatische Erzählungen anhören, Geschichten von Verlust und Tod verarbeiten, unter hoher Falllast arbeiten und zuweilen in ihrem eigenen Leben dieselben gesellschaftlichen Krisen durchmachen, werden auch sie selbst betroffen.

Eine 2025 veröffentlichte Studie lieferte hierzu klare Daten. In einer Untersuchung unter praktizierenden Psychologen lag die Rate wahrscheinlichen Burnouts bei 26,4 %, die Depressionsrate bei 11,5 %, die Angstquote bei 10,2 % und die Rate niedrigen persönlichen Wohlbefindens bei 47,2 %. Die Studie betonte, dass Psychologen in Zeiten, in denen sie den steigenden Bedarf an psychischer Gesundheit decken müssen, auch in Bezug auf ihre eigene psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden ernsthaft gefährdet sind (🔗). Diese Daten sind in zweierlei Hinsicht wichtig. Erstens zeigen sie, dass diejenigen, die psychische Gesundheitsdienste leisten, keine von außen betrachtenden, stabilen und neutralen Experten sind. Zweitens zeigen sie, dass mit steigender Nachfrage der Krise auch die eigenen Ressourcen der Helfenden erodieren können. Diese Erosion ist meist still; denn die berufliche Identität ist sehr geneigt, das Tragen der Last anderer als Teil ihrer eigenen Aufgabe zu sehen.

Um dieses Bild besser zu verstehen, ist der Begriff secondary traumatic stress, also sekundärer traumatischer Stress, wichtig. Sekundärer traumatischer Stress bedeutet, dass eine Person, ohne das Trauma direkt zu erleben, ähnliche Symptome entwickelt, indem sie den traumatischen Erzählungen anderer ständig ausgesetzt ist. Mental-Health-Beschäftigte hören aufgrund ihres Berufs traumatische Geschichten, Erzählungen vom Tod, schwere Verluste, Missbrauchsgeschichten, Kriegs- und Katastrophenerfahrungen, Suizidrisiken und Momente tiefer Hoffnungslosigkeit immer wieder an. Diese Exposition bleibt nicht nur auf der Ebene abstrakten Wissens; sie kann auch emotional und körperlich Spuren hinterlassen. Die aus der Türkei veröffentlichte Übersichtsarbeit betont, dass secondary traumatic stress bei Mental-Health-Beschäftigten wie Psychiatern, Psychologen, psychiatrischen Pflegekräften und Sozialarbeitern ein wichtiges Risikofeld ist und dies insbesondere in Kontexten wie der Türkei, die multiple gesellschaftliche Traumata erleben, zusätzlich berücksichtigt werden muss (🔗).

Eine breiter angelegte systematische Übersichtsarbeit gelangte, indem sie den Zusammenhang zwischen persönlicher Traumageschichte und secondary traumatic stress betrachtete, zu einem wichtigen Ergebnis: STS war unter Mental-Health-Beschäftigten ein verbreitetes Phänomen, und bei Personen mit persönlicher Traumavergangenheit war das Risiko höher (🔗). Dieser Befund macht die Beziehung zwischen der beruflichen Rolle des Fachmanns, der traumatisches Material anhört, und seiner persönlichen Geschichte wichtig. Denn in Zeiten, in denen sich gesellschaftliche Krisen verdichten, kann die helfende Person nicht nur dem Trauma anderer ausgesetzt sein, sondern auch dem Nachhall ihrer eigenen Vergangenheit und ihrer eigenen Verwundbarkeit. In solchen Zeiten bedeutet Professionalität nicht Unberührbarkeit.

Die 2025 in Griechenland unter Mental-Health-Beschäftigten durchgeführte Untersuchung konkretisierte den Zusammenhang zwischen vicarious trauma und Burnout noch weiter. Die Studie zeigte, dass eine höhere Falllast und höhere Werte bei vicarious trauma mit höherem Burnout verbunden waren; demgegenüber konnten Faktoren wie self-compassion, core self-evaluations, Ausbildung und Supervision eine schützende Rolle spielen (🔗). Das daraus hervorgehende Ergebnis ist einfach, aber schwerwiegend: Mit der Verarbeitung des Leids anderer betraut zu sein, befreit eine Person nicht von den Wirkungen dieses Leids. Im Gegenteil, besonders unter intensiven Arbeitsbedingungen und ohne ausreichende institutionelle Unterstützung kann die Hilfeleistung selbst zur Quelle der Erschöpfung des Helfenden werden. Deshalb ist die Situation der Psychologen und anderer Mental-Health-Beschäftigter nicht so einfach, dass sie mit selbstloser beruflicher Bindung erklärt werden könnte. Auch hier gibt es ein Arbeitsregime, eine Ökonomie emotionaler Verdichtung und einen stillen Mechanismus des Verbrauchs.

Occupational death trauma, also die traumatische Last, die durch beruflich bedingten ständigen Kontakt mit dem Tod entsteht, schärft diese Diskussion noch weiter zu. Eine Studie aus dem Jahr 2025 unter Mental-Health-Beschäftigten zeigte, dass eine stärkere Exposition gegenüber arbeitsbezogenem Todstrauma mit höherem Burnout verbunden war und dass diese Beziehung teilweise durch secondary traumatic stress vermittelt werden konnte. Das heißt: Der berufliche Kontakt mit dem Tod ist nicht nur eine emotional erschütternde Erfahrung; er steigert auch Erschöpfung (🔗). Wenn man bedenkt, wie intensiv Erzählungen von Tod, Trauer und Verlust während und nach der Pandemie waren, kommt diesem Befund besondere Bedeutung zu. Die Person, die psychische Fürsorge leistet, hört nicht nur dem Schmerz des Gegenübers zu; sie ist zugleich auch der beruflichen Wiederholung des Todes ausgesetzt.

Wenn all dies zusammengenommen wird, hört die Frage, wenn die nächste Epidemie mentale Krankheiten sein wird, wird dann auch der mentale Zustand der Mental-Beschäftigten preisgegeben werden, auf, bloß rhetorisch zu sein. Diese Frage ist das logische Ergebnis aktueller Forschung. Wenn die Gesellschaft wachsende psychische Krisen, zunehmende Einsamkeit, Erschöpfung, Trauma und Hoffnungslosigkeit erneut über Beschäftigte absorbieren wird; wenn Institutionen die steigende Nachfrage erneut auf die Schultern einer begrenzten Zahl von Fachleuten laden werden; wenn Psychologen und andere Mental-Health-Beschäftigte in Bezug auf Supervision, zumutbare Falllast, Erholung, Bezahlung, institutionelle Unterstützung und das Recht, betroffen zu sein, nicht ausreichend anerkannt werden, dann ja, dann wird auch hier ein ähnlicher Mechanismus der Preisgabe funktionieren. Noch einmal wird eine Gruppe von Beschäftigten zum unsichtbaren Puffer im Umgang mit gesellschaftlicher Krise werden.

Das Gefährliche daran ist, dass dieser Mechanismus sehr leicht legitimiert werden kann. Auch für Psychologen und andere Mental-Health-Beschäftigte lassen sich Ideale wie Selbstlosigkeit, Hingabe, Belastbarkeit und anderen guttun sehr leicht in Gang setzen. So werden ihre eigenen emotionalen Grenzen, ihre Müdigkeit und ihre Zerrüttung in den Hintergrund gedrängt. Wie bei den Gesundheitsarbeitern liegt das Problem auch hier nicht in der Handlung des Helfens selbst. Das Problem liegt darin, dass diese Handlung als unbegrenzte, kostenlose und bereitwillig sich selbst verzehrende Ressource vorausgesetzt wird. Wenn nicht anerkannt wird, dass Helfende bei wachsender psychischer Krise ebenfalls Hilfe brauchen werden, dann wird der erste unsichtbare Preis der mentalen Pandemie erneut das eigene psychische Gleichgewicht der Beschäftigten sein.

Für PASC ist nicht cope, sondern mental-physisches Counteract notwendig

Die unzureichendste Reaktion auf Long COVID ist die Reaktion, die voraussetzt, es handle sich lediglich um eine Frage von Geduld, Belastbarkeit und Anpassung. Genau hier greift die Sprache des cope ein. Der Person wird gesagt, sie müsse lernen, mit ihren Symptomen zu leben, langsamer zu werden, zurechtzukommen, ihre Moral aufrechtzuerhalten, sich an die neue Normalität zu gewöhnen. Die Verkrüppelung dieser Sprache besteht darin, dass sie die Last der Krankheit erneut auf die Schultern des Individuums legt. Obwohl das Problem ein sehr systematisches, vielgestaltiges und funktionell beeinträchtigendes Bild ist, wird die Lösung auf das Niveau psychologischer Belastbarkeit und persönlicher Anpassung reduziert. Dabei besteht PASC nicht bloß aus einigen übereinanderliegenden unbestimmten Beschwerden. Aktuelle Konsensustexte betonen, dass bei Long COVID über hundert Symptome beschrieben wurden, dass sich die häufigsten Cluster um Müdigkeit, Dyspnoe, Husten, Brustschmerzen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Insomnie, Schmerz, kognitive Beeinträchtigung, Angst und Depression gruppieren und dass sich darüber hinaus neurologische, autonome, kardiopulmonale und psychische Achsen miteinander verschränken können (🔗, 🔗). Dieses Bild als eine Nachphase zu sehen, an die man sich gewöhnen werde, bedeutet, die Natur der Krankheit falsch zu konstruieren.

Das Wort Counteract ist deshalb hier wichtig. Denn was hier notwendig ist, ist nicht, sich daran zu gewöhnen, mit dem Schaden zu leben; notwendig ist vielmehr, je nach Symptomclustern Gegenwirkung zu erzeugen. Gegenwirkung bedeutet nicht eine einzige Wunderbehandlung. Im Gegenteil, die heutige wissenschaftliche Lage bestätigt ein solches Wunder nicht. Aber das bedeutet auch nicht, dass es nichts Ernsthaftes gäbe, was man tun könnte. Aktuelle Leitlinien und regionale Empfehlungen für Long COVID sagen, dass frühe Diagnose, Phänotypisierung, multidisziplinäre Bewertung, strukturierte Rehabilitation, Unterstützung der psychischen Gesundheit, Planung der Rückkehr an den Arbeitsplatz und Anpassungen am Arbeitsplatz zusammen gedacht werden müssen (🔗, 🔗). Anders gesagt: Wenn coping ein Anpassungsversuch ist, den das Individuum allein vollzieht, dann ist counteract eine Ordnung von Gegenmaßnahmen, in der sich klinische, institutionelle und das Arbeitsleben betreffende Interventionen zusammenfügen.

Diese Unterscheidung gewinnt noch mehr Bedeutung, wenn es um Gesundheitsarbeiter geht. Denn für Gesundheitsarbeiter ist ein Symptom nicht nur ein persönliches Unwohlsein; es steht in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Funktion. Konzentrationsstörungen können die Arzneimittelsicherheit beeinträchtigen. Atemnot kann lange Schichten und körperliche Belastbarkeit zerstören. Müdigkeit kann den mentalen Raum verengen, der dem Patienten gewidmet wird. Schlaflosigkeit kann die emotionale Regulation, die Qualität der Entscheidungsfindung und die Kommunikation im Team schwächen. Herzklopfen und orthostatische Symptome können langes Arbeiten im Stehen erschweren. Eine Geruchsstörung kann nicht nur die Lebensqualität, sondern in manchen klinischen Umgebungen auch die Sicherheit beeinträchtigen. Deshalb ist es im Fall von Long COVID bei Gesundheitsarbeitern nicht nur klinisch unzureichend, sondern auch in Bezug auf Arbeitssicherheit verantwortungslos, zu sagen, das werde sich mit der Zeit bessern oder ruh dich ein bisschen aus, dann geht es vorbei.

An diesem Punkt muss auch eine weitere Täuschung aufgelöst werden. Counteract zu sagen bedeutet nicht, zu behaupten, für jedes Symptom gebe es eine definitive und hochwirksame Behandlung. Die wirkliche Lage ist komplizierter. So zeigte etwa eine randomisierte klinische Studie zu kognitiven Symptomen, dass Interventionen wie Online-Kognitionstraining, strukturierte kognitive Rehabilitation und tDCS im Hinblick auf den primären Endpunkt keine deutliche Überlegenheit zeigten; die Forscher stellten ausdrücklich fest, dass beim kognitiven Long COVID weiterhin ein ungedeckter Bedarf besteht (🔗). Das ist wichtig, denn es ist etwas anderes, Hoffnung zu verkaufen, als ehrlich zu sprechen. Die Forderung nach Gegenwirkung bedeutet nicht zu sagen, dass alles gelöst sei; sie bedeutet zu sagen, dass der Bedarf an Lösung zu ernst ist, um an individuelle Geduld delegiert zu werden.

Dieselbe Ehrlichkeit gilt auch für den Bereich der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Eine Open-Access-Übersicht zur Rückkehr an den Arbeitsplatz bei Long COVID zeigt, dass die vielversprechendsten Ansätze individualisierte Bewegung, Symptommanagement, Energieerhaltung, gestufte und flexible Rückkehrpläne, Anpassungen am Arbeitsplatz und multidisziplinäre Rehabilitation sind; dennoch kehren viele Menschen nicht zu voller Funktionsfähigkeit zurück (🔗). Dieser Befund sagt viel aus. Denn in den meisten Debatten wird eine binäre Frage gestellt wie Ist die Person an den Arbeitsplatz zurückgekehrt oder nicht. Die eigentliche Frage lautet jedoch: Wie ist sie zurückgekehrt, unter welchen Bedingungen ist sie zurückgekehrt, was kann sie nicht mehr so tun wie früher, und ohne welche Anpassungen zählt ihre Rückkehr in Wahrheit gar nicht als Rückkehr? Für Gesundheitsarbeiter erfordert echte Gegenwirkung, die Arbeit selbst als Teil der Krankheit zu betrachten. Behandlung geschieht nicht nur in der Poliklinik, sondern auch im Schichtplan, in der Aufgabenverteilung, in der Patientendichte und in der Gestaltung der Arbeitslast.

Deshalb kann die Predigt von Belastbarkeit angesichts von PASC den Platz institutioneller Vernachlässigung nicht einnehmen. Menschen zu sagen, sie sollen damit fertigwerden, ist, wenn keine angemessene Bewertung, gezielte Rehabilitation, regelmäßige Nachverfolgung, Unterstützung der psychischen Gesundheit, Arbeitsplatzrechte und symptombasierte Behandlung bereitgestellt werden, nur eine andere Form des Verlassens. Für Gesundheitsarbeiter bedeutet Long COVID nicht den Schatten einer beendeten Infektion, sondern einen fortdauernden Kampf um Funktion. In diesem Kampf bedeutet Gegenwirkung, die Realität der Symptome anzuerkennen, die Unsicherheiten ehrlich auszusprechen, die Unsicherheit aber nicht in einen Vorwand für Untätigkeit zu verwandeln.

Hier muss man noch einmal an jene berühmte Passage von Žižek erinnern:

Rammsteins ‚wir müssen leben, bis wir sterben‘ skizziert einen Ausweg aus dieser Sackgasse: Um gegen die Pandemie zu kämpfen, sollten wir mit äußerster Intensität leben. Gibt es heute jemanden, der LEBENDIGER ist als Millionen Gesundheitsarbeiter, die in vollem Bewusstsein täglich ihr Leben riskieren? Viele von ihnen starben, aber bis zu ihrem Tod lebten sie. Sie opferten sich nicht einfach für uns auf und erhielten dafür unser heuchlerisches Lob. Und noch viel weniger waren sie bloße Überlebensmaschinen, reduziert auf nacktes Leben — sie waren diejenigen, die heute am lebendigsten sind. Was ist also, genauer betrachtet, die existentielle Haltung, für die Rammstein in diesem Lied eintritt? Es ist eine Version dessen, was Lacan subjektive Entäußerung nannte, den abschließenden Moment des psychoanalytischen Prozesses.

Der Gegensatz zwischen dem Diskurs in diesem Zitat und dem Bedarf an Gegenwirkung ist vollständig. Denn das eine spricht in der Sprache von Intensität, Schicksal und Existenz; das andere in der Sprache von Symptom, Funktion, Diagnose, Rehabilitation und Arbeitsorganisation. Das eine verwandelt Gesundheitsarbeiter in bedeutungsaufgeladene Figuren; das andere ruft sie als Menschen mit konkreten Bedürfnissen, Begrenzungen und einem Recht auf Behandlung zurück. Genau das ist es, was nach der Pandemie notwendig ist.

PASC bei Gesundheitsarbeitern: Methoden der Gegenwirkung für jedes Symptom

Bei Long COVID können Symptome ineinander übergehen, sich im Lauf der Zeit verlagern und nicht bei jedem Menschen mit derselben Schwere erscheinen. Aber diese Komplexität macht es nicht überflüssig, die Symptome einzeln zu behandeln; im Gegenteil, sie macht es notwendig. Für Gesundheitsarbeiter besteht der richtige Ansatz darin, jedes einzelne Symptom für sich ernst zu nehmen, seine Auswirkung auf die Funktion zu sehen und dementsprechend sowohl auf klinischer Ebene als auch auf Ebene des Arbeitsplatzes Gegenwirkung zu organisieren.

Müdigkeit ist eines der häufigsten und zerstörerischsten Symptome dieses Bildes. Aber Müdigkeit darf hier nicht in jenem lockeren Sinn verstanden werden, in dem sie im Alltagsleben gebraucht wird. Bei Long COVID kann Müdigkeit ein tiefer Zustand sein, der sich durch Ruhe nicht vollständig bessert und die geistige wie die körperliche Kapazität zugleich senkt. Noch wichtiger ist, dass bei manchen Patienten ein Muster zu sehen ist, das post-exertional malaise oder post-exertional symptom exacerbation genannt wird; das heißt, nach einer kleinen körperlichen oder geistigen Anstrengung kommt es zu einer verzögerten und deutlichen Verschlechterung der Symptome. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass self-reported PEM bei Long COVID verbreitet ist und dass sich die Symptomantworten nach einem standardisierten Belastungsreiz signifikant verändern (🔗). In diesem Fall kann der grobe Ansatz Bewege dich, dann wirst du stärker schaden. Gegenwirkung bedeutet hier pacing, also die Anstrengung an die Symptomgrenzen anzupassen; Management des Energierahmens; sorgfältige Funktionsbewertung und individualisierte Rehabilitation. Für Gesundheitsarbeiter hat dies auch ein Gegenstück am Arbeitsplatz: kürzere Schichten, weniger ununterbrochenes Stehen, vorübergehender Rückzug aus schweren Stationen und eine gestufte Arbeitslast.

Dyspnoe und geringe körperliche Leistungsfähigkeit tragen bei Gesundheitsarbeitern ebenfalls unmittelbar den Charakter beruflicher Symptome. Atemnot ist nicht nur ein subjektives Unwohlsein; sie wirkt direkt auf das physische Tempo klinischer Arbeit, auf Momente, die schnelle Entscheidungen verlangen, und auf die Belastbarkeit langer Schichten. Konsensustexte zur Behandlung von Long COVID empfehlen bei diesen Symptomen eine respiratorische Bewertung, wenn nötig pulmonale Rehabilitation, Atemübungen und gezielte Nachverfolgung (🔗, 🔗). Das heißt: Die richtige Gegenwirkung besteht hier nicht darin, es mit Das ist deine Angst abzutun, sondern den Funktionsverlust zu messen, eine kardiopulmonale Bewertung durchzuführen und die körperliche Dimension des Symptoms ernsthaft zu behandeln. Für Gesundheitsarbeiter bedeutet das zugleich auch eine Neuordnung der körperlichen Aufgaben; etwa kann ein vorübergehender Rückzug aus Tätigkeiten, die auf ständigem Herumrennen beruhen, eine Begrenzung der Einsatzdauer in Einheiten mit hohem Schwerpatientenaufkommen oder ein Wechsel der Einheit in Betracht kommen.

Kognitive Beeinträchtigung ist das Symptomcluster, das im allgemeinen Sprachgebrauch am häufigsten als brain fog bezeichnet wird, und für Gesundheitsarbeiter ist es vielleicht eine der unsichtbarsten, aber auch gefährlichsten Folgen. In diesem Cluster können verminderte Aufmerksamkeit, Schwierigkeiten des Kurzzeitgedächtnisses, eine Verlangsamung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, Wortfindungsstörungen und Störungen der exekutiven Funktionen auftreten. In der klinischen Arbeit dürfen diese nicht als gewöhnliche Vergesslichkeit abgetan werden; sie können das Risiko von Medikationsfehlern, die Qualität der Dokumentation, die Patientensicherheit und die Teamkommunikation beeinflussen. Allerdings ist die wissenschaftliche Lage hier noch schwach. Die RECOVER-NEURO-Studie konnte bei erprobten Ferninterventionen für kognitive Symptome keine klare Überlegenheit zeigen (🔗). Deshalb muss die Gegenwirkung hier auf zwei Beinen stehen: einerseits formale kognitive Diagnostik, neuropsychologische Unterstützung, engmaschige Nachverfolgung und gegebenenfalls Rehabilitation; andererseits Anpassungen in der Arbeit selbst. Eine geringere Multitasking-Belastung, Doppelkontrollen in kritischen Entscheidungsmomenten, Unterstützung bei Dokumentations- und Medikationsprozessen, Arbeit in kürzeren Blöcken und die Verringerung des Fehlerrisikos sind in diesem Zusammenhang Teil der Behandlung.

Geruchs- und Geschmacksstörungen gehören zu den Symptomen, die sehr leicht bagatellisiert werden, deren Wirkung aber größer ist, als man meint. Anosmie und Parosmie beeinträchtigen nicht nur den Essgenuss; sie können auch den Appetit, das Sicherheitsgefühl, die Art der Umweltwahrnehmung und die Stimmungslage beeinflussen. Eine der greifbarsten Methoden in der Behandlung von Geruchsdysfunktionen ist das olfactory training. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 berichtet, dass olfactory training bei post-COVID-bedingter olfaktorischer Störung wirksam ist und dass einige kombinierte Ansätze das Ergebnis verstärken können (🔗, 🔗). Deshalb ist die Gegenwirkung hier klar: Man darf das Symptom nicht bagatellisieren, man muss das Training in strukturierter Form empfehlen, den Verlauf beobachten und den Verlust an alltäglicher Funktionsfähigkeit der Person ernst nehmen.

Autonome Symptome, insbesondere Herzklopfen, Schwindel, orthostatische Verschlechterung, Hitzeintoleranz und schwer erklärbare Erschöpfungszustände, sind bei Long COVID ebenfalls wichtig. Diese Symptome können bei einigen Patienten auf Dysautonomie-Bilder hindeuten, allen voran auf POTS. In Studien aus dem Jahr 2025 wird betont, dass die frühe Diagnose und Behandlung von POTS im Zusammenhang mit Long COVID wichtig ist, weil dies die Nutzung von Ressourcen optimieren und das Patientenergebnis verbessern könnte (🔗, 🔗). Die Gegenwirkung besteht hier darin, Herzklopfen und Schwindel nicht automatisch als Angst zu etikettieren. Orthostatische Messungen, angemessene Überweisung, Hydrierung, Kompression, verhaltensbezogene Anpassungen und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung sollten erwogen werden. Für Gesundheitsarbeiter sind diese Symptome besonders in Berufen ausgeprägt, in denen lange gestanden werden muss; daher müssen Aufgaben, die im Sitzen erledigt werden können, ausgeweitet, lange Stehzeiten unterbrochen und Dienstregelungen entsprechend angepasst werden.

Schlafstörungen und Insomnie können sowohl ein eigenes Symptom von PASC sein als auch einen Verstärkungseffekt tragen, der die Schwere anderer Symptome erhöht. Schlaflosigkeit vertieft Aufmerksamkeitsprobleme, Schwierigkeiten der Emotionsregulation, die Schmerzwahrnehmung und die Müdigkeit. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Behandlung von Schlafstörungen bei Long COVID berichtet, dass pharmakologische und nichtpharmakologische Interventionen erprobt wurden, dass insbesondere strukturierte nichtpharmakologische Ansätze Hoffnung geben, die Evidenz jedoch noch begrenzt ist (🔗). Was hier zu tun ist, besteht darin, über allgemeine Ratschläge wie Schlafhygiene hinauszugehen und auch die Dienstgestaltung als Teil der Intervention anzusehen. Solange Gesundheitsarbeiter weiter unter Bedingungen arbeiten, die den Rhythmus von Nacht und Tag stören, ist es sinnlos, Schlafstörungen nur als Problem individueller Gewohnheiten zu behandeln. Gegenwirkung bedeutet, klinische Unterstützung und die Neugestaltung der Arbeitsordnung zusammenzudenken.

Angst, Depression und Rückstände von moral injury sind nicht der äußere Ring von PASC, sondern oft ein zentraler Bestandteil davon. Gesundheitsarbeiter trugen schon in der akuten Phase der Pandemie eine schwere psychische Last; wenn sich darauf noch langanhaltende körperliche und kognitive Symptome legten, begannen diese beiden Bereiche einander zu nähren. Konsensusempfehlungen sagen ausdrücklich, dass die Beurteilung der psychischen Gesundheit Teil der Long-COVID-Versorgung sein muss (🔗). Deshalb besteht die Gegenwirkung auch hier nicht nur in der Überweisung in Therapie. Erforderlich sind regelmäßiges Screening, Verlaufskontrolle über die Zeit, psychiatrische Unterstützung, teaminterne Supervision, eine Verringerung der Arbeitsintensität und ein institutioneller Ansatz, der für moral injury sensibel ist. So falsch es ist, die Symptome mit der Bemerkung abzutun, sie seien alle psychologisch, so falsch ist es auch, die psychische Dimension vollständig außen vor zu lassen.

Schmerzen, muskuloskelettale Beschwerden und Kopfschmerzen können die Funktionsfähigkeit von Gesundheitsarbeitern ebenfalls still untergraben. Insbesondere für diejenigen, die in Berufen mit wiederkehrender körperlicher Belastung arbeiten, können diese Symptome nicht bloß ein am Ende des Tages zunehmendes Ziehen sein, sondern ein chronischer Begleiter, der die Arbeitskapazität einschränkt. Gegenwirkung bedeutet hier Physiotherapie mit dem Ziel der Wiedergewinnung von Funktion, Schmerzmanagement, angemessene Ergonomie und die Neubewertung der körperlichen Belastungen in der Arbeit. Ebenso muss auch das Thema Rückkehr an den Arbeitsplatz selbst wie ein Symptom behandelt werden. Denn manchmal besteht das eigentliche Problem nicht darin, dass ein bestimmtes Symptom anhält, sondern darin, dass die Summe der Symptome Arbeit im früheren Tempo nicht mehr ermöglicht. In diesem Fall sind eine gestufte Rückkehr an den Arbeitsplatz, verkürzte Schichten, ein Wechsel der Einheit, Aufgaben mit geringerer Intensität und die Umwandlung einer offiziellen Diagnose in ein Arbeitsplatzrecht erforderlich (🔗, 🔗).

Wenn man dieses Bild betrachtet, wird das Grundprinzip klarer. Eine definitive Behandlung, die für jedes Symptom und bei jedem Menschen wirkt, gibt es noch nicht. Aber kein Symptom ist so unbedeutend, dass man es dem Satz überlassen könnte, man könne nichts tun. Für jedes Symptom besteht zumindest die Verpflichtung, es ernst zu nehmen, es zu beurteilen, seine Auswirkungen auf die Funktion zu sehen und eine gezielte Gegenwirkung zu entwerfen. Für Gesundheitsarbeiter bedeutet das, dass die Behandlung nicht nur in der Klinik stattfindet. Arbeitsbedingungen, Aufgabenverteilung, Schichtstruktur und die Gestaltung der Rückkehr an den Arbeitsplatz sind Teile der Behandlung. Nur so konkretisiert sich Gegenwirkung.

Schluss

Die Pandemie als eine Geschichte der Selbstlosigkeit der Gesundheitsarbeiter zu erzählen, heißt, die Wirklichkeit in der Mitte abzuschneiden. Denn was hier geschah, war nicht nur, dass Menschen sich für andere einsetzten. Genauer gesagt wirkte hinter diesem Anschein eine andere Realität. Gesellschaft und Institutionen schlossen die Offenheit des Gesundheitssystems, die organisatorischen Unzulänglichkeiten und die Lücken in der Krisenvorbereitung über die Körper, Nervensysteme, Aufmerksamkeiten, den Schlaf und die später eintretenden Krankheiten der Gesundheitsarbeiter. Danach wurde das Selbstlosigkeit genannt. Dabei ist die richtige Bezeichnung schwerwiegender: die Gesundheit der Gesundheitsarbeiter preiszugeben.

Deshalb muss man auf die großen Worte zurückkommen, diesmal aber, um zu zeigen, was sie verdecken. Žižeks Pandemiepassage ist eines der klarsten Beispiele dafür:

Rammsteins ‚wir müssen leben, bis wir sterben‘ skizziert einen Ausweg aus dieser Sackgasse: Um gegen die Pandemie zu kämpfen, sollten wir mit äußerster Intensität leben. Gibt es heute jemanden, der LEBENDIGER ist als Millionen Gesundheitsarbeiter, die in vollem Bewusstsein täglich ihr Leben riskieren? Viele von ihnen starben, aber bis zu ihrem Tod lebten sie. Sie opferten sich nicht einfach für uns auf und erhielten dafür unser heuchlerisches Lob. Und noch viel weniger waren sie bloße Überlebensmaschinen, reduziert auf nacktes Leben — sie waren diejenigen, die heute am lebendigsten sind. Was ist also, genauer betrachtet, die existentielle Haltung, für die Rammstein in diesem Lied eintritt? Es ist eine Version dessen, was Lacan subjektive Entäußerung nannte, den abschließenden Moment des psychoanalytischen Prozesses.

Die eigentliche Funktion dieses Zitats bestand nicht darin, die Erfahrung der Gesundheitsarbeiter zu vertiefen, sondern sie in einer philosophischen Intensität aufzulösen. In diesen Sätzen gibt es keinen PPE-Mangel, keinen Personalmangel, keinen Schichtzusammenbruch, keine anhaltenden Symptome nach der Infektion, keine Diagnoselücke, keinen Körper, der sich bei der Rückkehr an die Arbeit schwertut. Dort sind die Gesundheitsarbeiter die lebendigsten Subjekte; hier dagegen sind sie im wirklichen Leben Menschen, die selbst Jahre später noch Atemnot, Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigung, Schlafprobleme, Herzklopfen und psychische Last tragen. Wenn Verherrlichung die höfliche Form der Tilgung ist, dient Lob nicht der Wahrheit, sondern der Leugnung.

Eine der wichtigsten Spuren, die die Pandemie hinterlassen hat, ist genau dies: Anhaltende Symptome sind nicht der Nachklang einer vorübergegangenen Katastrophe, sondern die Form, in der diese Katastrophe weiter andauert. Dass PASC bei Gesundheitsarbeitern in hohen Raten und über lange Zeiträume hinweg auftritt, macht die Spur sichtbar, die diese gesellschaftliche Ordnung im Körper hinterlassen hat. Gesundheitsarbeiter waren nach der Infektion nicht nur Menschen, deren Genesung sich verzögerte; oft waren sie Menschen, die lernen mussten, wieder zu arbeiten, wieder zu denken, wieder zu atmen, wieder zu schlafen und wieder Aufmerksamkeit zu bündeln. Das ist eine Lage, die zu materiell ist, um mit Applaus abgetan zu werden, und zu konkret, um mit moralischem Diskurs zugedeckt zu werden.

Dieselbe Logik beginnt sich auch im Feld der psychischen Gesundheit abzuzeichnen. Wenn die nächste große gesellschaftliche Welle sich tatsächlich in Form von psychischen Krisen, Einsamkeit, Trauma, Depression, Störungen des Körperbildes und emotionaler Erschöpfung verdichten wird, dann besteht die Tendenz, diese Last erneut an das Nervensystem der Arbeitenden zu delegieren. Deshalb ist die Lage der Psychologen und anderer Mental-Health-Beschäftigter keine Nebensache. So wie bei Gesundheitsarbeitern die physische und neurokognitive Gesundheit verbraucht wurde, können bei Mental-Health-Beschäftigten auch emotionale Belastbarkeit, Aufmerksamkeitskraft und die Kapazität, Trauma zu verarbeiten, in ähnlicher Weise aufgebraucht werden. Krisen vergehen nicht; sie ändern ihre Form. Und mit jeder Formveränderung werden, wenn keine Logik der Intervention aufgebaut wird, erneut die Arbeitenden preisgegeben.

Deshalb kann es nun nicht mehr darum gehen, in der Sprache des coping zu sprechen. Sätze wie Hab Geduld, gewöhn dich daran, komm damit zurecht, pass dich der neuen Normalität an gewinnen nur dann Bedeutung, wenn keine konkreten Gegenmaßnahmen errichtet werden; und diese Bedeutung ist oft nur ein anderer Name für das Verlassenwerden. Notwendig ist counteract: frühe Diagnose, Bewertung nach Symptomclustern, multidisziplinäre Versorgung, Unterstützung der psychischen Gesundheit, Rehabilitation, Anpassung am Arbeitsplatz, gestufte und realistische Rückkehr an den Arbeitsplatz, offizielle Diagnose und Langzeitnachverfolgung. Für Gesundheitsarbeiter beginnt Behandlung nicht nur in der Poliklinik; sie beginnt in der Schichtliste, im Einheitsplan, in der Aufgabenbeschreibung, in der institutionellen Anerkennung und in der Neuregelung des Rechts auf Arbeit.

Applaus ist keine persönliche Schutzausrüstung. Lob ist keine Rehabilitation. Dankbarkeit ist keine Anpassung am Arbeitsplatz. Der Diskurs des Heldentums verwandelt sich in dem Moment in eine Sprache des Missbrauchs, in dem er an die Stelle des Schutzes tritt. Genau das geschah während der Pandemie. Gesundheitsarbeiter wurden nicht geschützt; sie wurden benutzt. Long COVID ist die im Körper verbleibende Spur dieses Gebrauchs. Von nun an muss die Frage nicht lauten, wie viel Menschen ertragen können, sondern wie lange diese Last noch in ihre Gesundheit eingeschrieben werden soll. Die wirkliche Antwort hierauf ist nicht eine Moral der Belastbarkeit, sondern Mechanismen der Rücknahme, des Gegenwirkens und der Wiederherstellung. Denn es ging nie bloß um Selbstlosigkeit. Es ging darum, die Gesundheit der Gesundheitsarbeiter preiszugeben.

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